Schreibkrampf

(syn.: Graphospasmus)

(K.R. Kessler, 01/97)


Der Schreibkrampf ist eine fokale Dystonie des Armes mit unwillkürlicher Verkrampfung oder Öffnung der Finger oder der Hand, welche oftmals mit schmerzhaften Verspannungen der Hand- und Unterarmmuskeln einhergeht. Die Störung kann ausschließlich beim Schreiben (sog. einfacher Schreibkrampf) oder zusätzlich auch bei anderen Tätigkeiten mit der Hand (z.B. Stricken, Malen, Rasieren, Zähneputzen etc.) auftreten, dann spricht man vom dystonen Schreibkrampf.
Der Schreibkrampf kann einzelne Finger betreffen (z.B. Daumenbeugung (s. Abb.), Zeigefingerstreckung oder Kleinfingerabspreizung), nur die Hand oder Kombinationen.

Die geschätzteHäufigkeit liegt bei 8 Patienten auf 100.000 Einwohner.

Der Schreibkrampf zählt zu den aktionsspezifischen Dystonien, d.h. die dystone Symptomatik ist an bestimmte Situationen oder Arten von Bewegungen gebunden. Es gibt aktionsspezifische Dystonien auch bei anderen Tätigkeiten als dem Schreiben mit der Hand. Gelegentlich tritt eine Dystonie auch beim Maschinschreiben auf (Schreibmaschinen- oder Tastaturkrampf). Störungen dieser Art sind schon seit Ende des letzten Jahrhunderts bekannt: So wurde z.B. eine Handdystonie beschrieben, die bei einem Fischer immer nur dann auftrat, wenn er seine Netze flicken mußte. Auch am Auge gibt es aktionsspezifische Dystonien: In früheren Jahren trat bei Uhrmachern, die viel mit einer ins Auge geklemmten Lupe arbeiteten eine unwillkrürliche einseitge Lidverrkampfung auf, die aussah wie ein einseitiger Blepharospasmus. und Uhrmacherkrampf genannt wurde. Auch bei Musikern kommen aktionsspezifische Dystonien vor, welche zumeist auf das Spielen des Instrumentes bezogen sind (Musikerkrampf) - besonders häufig sind Pianisten betroffen, aber auch Musiker mit Saiten- oder Blasinstrumenten können betroffen sein.

In etwa 10% der Fälle kann sich aus einer aktionsspezifische Dystonie eine ständig vorhandene und auch in Ruhe oder bei allen Aktivitäten der betroffenen Körperregion auftretende Dystonie entwickeln. So kann beispielasweise aus einem Schreibkrampf eine ständig vorhandene Armdystonie werden, und auch diese kann gelegentlich noch voranschreiten bis zur Schulter. Der Schreibkrampf kommt nicht selten vergesellschaftet mit anderen fokalen Dystonien, insbesondere dem Torticollis spasmodicus vor.
In etwa 30 % der Fälle besteht gleichzeitig ein Zittern (Tremor) der betroffenen Hand, beider Hände oder des Oberkörpers einschließlich des Kopfes. Meist kann man diesen Tremor nicht in Ruhe, sondern erst beim Vorhalten der Arme mit leicht gespreizten Fingern feststellen. In eingien Fällen ist aber auch der Tremor aktionsspezifisch und tritt als isoliertes Problem ohne Muskelverkrampfungen oder Gelenkfehslstellungen auf. Man spricht dann vom Schreibtremor.

Die Therapie des Schreibkrampfes ist schwierig. In seltenen Fällen helfen anticholinerge Medikamente. Nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen und unseren eigenen Erfahrungen an etwa 90 Patienten mit Schreibkrampf, ist es sinnvoll, eine lokale Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin A durchzuführen. Allerdings ist die Erfolgsquote mit etwa 60% deutlich geringer als bei anderen fokalen Dystonien, wie z.B. dem Torticollis oder dem Blepharospasmus, wo sie zwischen 80 und 90% liegt.

Gelegentlich sind besondere Hilfsmittel (z. B. Stifthalter, die ein Ring auf en Mittelfinger gesteckt werden) oder einfach nur die Verwendung von dickeren Stiften hilfreich. Herkömmliche krankengymnastische Übungen sind meist wenig erfolgreich. In letzter Zeit berichtete allerdings die Arbeitsgruppe um N. Mai in München von sehr guten Erfolgen mit einem speziell entwickelten Schreibtraining, das jedoch einen gewissen technischen und zeitlichen Aufwand sowie große Erfahrung mit dieser Erkrankung voraussetzt.

Beispiel eines Schreibkrampfes (Daumenbeugung)
Diese Abbildung zeigt die Hand eines Patienten, der versucht, normal zu schreiben. Dabie kommt es schon nach wenigen Strichen zu einer isolierten, übermäßigen, unwillkürlichen Beugung des Daumens, wodurch der Druck auf den Stift steigt und der Stift auch häufig dem Griff entgleitet.

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