von K. R. Kessler
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Die DOPA-responsive Dystonie nimmt innerhalb der Dystonien eine Sonderstellung ein, da sie die einzige kausal therapierbare Form der Dystonie ist.
Sie manifestiert sich in der Regel vor dem 10., fast immer jedoch vor dem 20. Lebensjahr und zählt damit zu den Dystonien mit juvenilem Beginn.
Die Beschwerden beginnen so gut wie immer im Bereich der Füße oder Beine mit einer Veränderung der Gangbildes, das unbeholfen wird. Die Füße nehmen häufig spontan Fehlstellungen (z.B. Einwärtsdrehung) ein, die willkürlich nicht beeinflußbar sind. Die Krankheit verläuft meist progredient und führt oft schon innerhalb weniger Jahre zur Gehunfähigkeit und damit zur Rollstuhlpflichtigkeit. In einigen Fällen kann die Erkrankung generalisieren, d.h. auch den Rumpf und die oberen Extremitäten erfassen.
In der Anfangsphase wird die Gangstörung oft nicht als dyston erkannt, sondern für eine orthopädische Erkrankung, eine Spastik oder eine Muskelerkrankung (z.B. spinale Muskelatrophie) gehalten. Nicht wenige Patienten saßen vor Stellung der richtigen Diagnose jahrelang als "unheilbar" im Rollstuhl. Durch die Gabe von nicht mehr als ein oder zwei Tabletten am Tag wurden sie wieder gehfähig und in die Lage versetzt ein normales Leben ohne wesentliche Einschränkungen zu führen.
Die DRD weist einige weitere Besonderheiten auf: 1.) Nicht selten treten zusätzlich zu den dystonen Phänomenen Bestandteile der Parkinson-Erkrankung auf wie z.B. ein Rigor (erhähte Steifigkeit der Muskulatur) oder eine Bewegungsverarmung und -verlangsamung (Bradykinese). 2.) In einem großen Teil der Fälle (etwa 75%) sind erhebliche tageszeitliche Schwankungen möglich: Insbesondere morgens nach dem Aufstehen oder ganz allgemein nach dem Schlafen können die Beschwerden völlig oder fast völlig verschwunden sein und nehmen dann im Tagesverlauf deutlich zu.
Patienten, die an DRD leiden werden in aller Regel völlig beschwerdefrei unter sehr kleinen Dosen von L-DOPA (ca. 100-200 mg /Tag). Diese Behandlung kann problemlos über Jahre und Jahrzehnte fortgesetzt werden, ohne daß es zu Gewöhnungseffekten oder zu den bei der Parkinson-Erkrankung so gefürchteten Komplikationen wie Wirkungsschwankungen kommt. Der Erfolg der Behandlung beruht, wie man erst seit kurzem weiß, auf dem zugrundeliegenden Krankheitsmechanismus, welcher im Endeffekt zu einem Mangel an L-DOPA, der Vorstufe der Überträgersubstanz Dopamin, beruht. Führt man genügend L-DOPA von außen zu, wird der Mangel ausgeglichen und es treten keine Beschwerden auf.
Die unten stehende Abbildung veranschaulicht die Bildung von Dopamin. Aus der Aminosäure Tyrosin wird durch die Einwirkung des Enzyms Tyrosinhydroxylase L-DOPA gebildt, das in einem letzten Schritt zu Dopmain umgewandelt wird. Die Umwandlung von Tyrosin in L-DOPA verbraucht jedoch Wasserstoff, der aus dem Co-Faktor THB (Tetrahydrobiopterin) kommt, welcher als Co-Faktor dient und bergang in DHB (Dihydrobiopterin) umgewandelt wird. Das THB wiederum entsteht aus Guanosintriphosphat durch Einwirkung des Enzyms GTP Cyclohydrolase I. Sowohl ein Defekt des Enzyms Tyrosinhydroxylase als auch der GTP Cyclohydrolase I führen zu einer Störung der Herstellung von L-DOPA, es resultiert ein L-DOPA-Mangel.

Die DRD ist eine seltene Erkrankung mit einem geschätzten Vorkommen von 0.5 bis 1 auf 1 Mio. Einwohner, d.h. in Deutschland gibt es nur knapp 100 Patienten mit dieser Erkrankung. Die Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt. Es konnte nachgewiesen werden, daß ein Teil Patienten einen Mutationen eines Gens (auf Chromosom 14) haben, welches das Enzym GTP-Cyclohydrolase I kodiert. Es scheint jedoch auch eine Gruppe von Patienten zu geben, bei denen der Defekt in dem Gen liegt, das für das andere beteiligte Enzym, nämlich die Tyrosinhydroxylase kodiert. Dieser Defekt liegt auf Chromsom 11 und wird autosomal rezessiv vererbt.
Molekulargenetik und Klinik der DOPA-responsiven Dystonie. D. Steinberger u. U. Müller. Deutsches Ärzteblatt 1996; 93: A 1627-1629
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