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Systemische Neurophysiologie und Magnetenzephalographie
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Systemische Neurophysiologie und Magnetenzephalographie
| Leiter: | | Univ.-Prof. Dr. Alfons Schnitzler
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| Anschrift: | |
Neurologische Klinik
Heinrich-Heine Universität
Moorenstrasse 5
40225 Düsseldorf
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| Telefon: | | 0211-81-17893 |
| Fax: | | 0211-81-19032
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Forschungsschwerpunkt
Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Dynamik neuronaler Aktivierung und oszillatorischer
Kommunikation im ZNS und deren Bedeutung für normale und gestörte Hirnfunktionen. Methodisch werden
neurophysiologische Untersuchungsverfahren angewandt, insbesondere die Magnetenzephalographie sowie
intraoperative Mikro- und Makroelektrodenableitungen bei Patienten mit Bewegungsstörungen. Ferner
werden komplementäre tierexperimentelle neurophysiologische Untersuchungen an der Ratte durchgeführt.
Inhaltlich gliedert sich der Forschungsschwerpunkt in vier Bereiche:
Methodenentwicklung
Das menschliche Gehirn ist in Struktur und Funktion durch zwei widerstreitende Prinzipien
gekennzeichnet: Spezialisierung und Integration. Die Spezialisierung ermöglicht erst die hohe
Leistungsfähigkeit, die durch Maschinen bisher bei weitem nicht erreicht wird. Demgegenüber steht die
Notwendigkeit, die Informationen nach der Verarbeitung in spezialisierten Arealen wieder
zusammenzuführen. Beide Prinzipien sind in strukturell hoch-komplexen und vielfach verknüpften
Netzwerken von Neuronen realisiert. Die hohe Flexibilität und Leistungsfähigkeit des menschlichen
Gehirns beruht dabei letztendlich auf den spezifischen Verknüpfungsmustern der einzelnen Nervenzellen.
Diese anatomischen Konnektivitäten bilden den eher statischen, strukturellen Hintergrund (allerdings
sind auch hier Änderungen möglich) für die hoch-dynamischen raum-zeitlichen Aktivierungs- und
Interaktionsmuster, die informationsverarbeitende Prozesse repräsentieren.
Ein Verständnis der grundlegenden Funktionsweise des Gehirns ist ohne ein Verständnis der
funktionellen Interaktionsmuster nicht möglich.
Zur Untersuchung dieser funktionellen Interaktionen wird die Magnetenzephalographie verwendet, die
aufgrund ihrer hohen Zeitauflösung und der direkten Messung neuronaler Aktivität für diese
Untersuchungen prädestiniert ist.
Die methodischen Arbeiten beschäftigen sich mit der Weiterentwicklung eines Verfahrens, DICS, um
anhand der außerhalb des Kopfes gemessenen Magnetfelder Rückschlüsse auf Aktivierungen und
Interaktionen von Hirnarealen zu ziehen. Dabei wird die individuelle Anatomie unter Verwendung der
Magnetresonanztomographie berücksichtigt. Die Berechnung oszillatorischer Aktivität und Interaktion
wird im gesamten Gehirn durchgeführt.
Die inhaltlichen Arbeiten beschäftigen sich mit der Untersuchung funktioneller Interaktionen bei
motorischen und kognitiven Paradigmen. Im ersten Schritt wird DICS verwendet um interagierende
Hirnareale zu identifizieren. Diese Interaktionen werden dann im zweiten Schritt genauer
charakterisiert, um Interaktionen eine Funktion zuordnen zu können.
- Gross, J., Kujala, J., Hamalainen, M., Timmermann, L., Schnitzler, A., and Salmelin, R. (2001).
Dynamic imaging of coherent sources: Studying neural interactions in the human brain. Proc Natl Acad
Sci U S A 98, 694-699.
- Schnitzler A, Gross J (2005) Normal and pathological oscillatory communication in the brain. Nat
Rev Neurosci. 2005 Apr;6(4):285-96.
Motorik
Die bemerkenswerten motorischen Fähigkeiten des Menschen sind eine grundlegende Voraussetzung für die
Auseinandersetzung mit unserer physikalischen Umwelt. Die Steuerung dieser Prozesse und die
Veränderungen bei Patienten mit Bewegungsstörungen sind bislang nur unvollständig verstanden.
Den Schwerpunkt dieser Arbeitsgruppe bildet die Untersuchung neuronaler Netzwerke, die mit
physiologischen als auch mit pathologischen Bewegungen, wie z.B. Tremor, assoziiert sind. Mithilfe der
Magnetenzephalographie (MEG) und der Analyse-Software Dynamic Imaging of Coherent Sources (DICS; [1])
konnten wir zeigen, dass ein zerebello-thalamo-kortikales Netzwerk der Ausführung physiologischer [2]
als auch pathologischer [3] Bewegungen zugrunde liegt. Darüber hinaus zeigen unsere Daten, dass
Bewegungsstörungen, wie beispielsweise bei Morbus Parkinson, mit spezifischen Veränderungen innerhalb
dieses Netzwerkes verbunden sind [2]. Neben der beschrieben Netzwerkanalyse werden zukünftig drei
weitere methodische Ansätze in die Arbeitsgruppe integriert. Das gemeinsame Ziel ist ein besseres
Verständnis der Prozesse, die sowohl mit physiologischen als auch mit pathologischen Aspekten der
motorischen Kontrolle assoziiert sind. (i) Die Untersuchung peripherer Phänomene - beispielweise
mithilfe von EMG-Ableitungen - soll Aufschluss darüber liefern, inwieweit Erkrankungen, aber auch
altersabhängige Veränderungen, motorische Leistungen beeinflussen. (ii) Die Untersuchung von Effekten
der Tiefen Hirnstimulation (DBS) bei Patienten mit Bewegungsstörungen eröffnet die Möglichkeit der
direkten Intervention in den Basalganglienkomplex - einer Kernstruktur der motorischen Kontrolle.
Neben der Analyse der therapeutischen Effekte von DBS sind damit Rückschlüsse auf die Funktion der
Basalganglien möglich. (iii) Die Untersuchung von Bewegungsstörungen auf der Ebene von
Einzelzellableitungen im Tiermodell soll weitere komplementäre Information zu den neuronalen
Grundlagen motorischer Kontrolle liefern.
- Gross, J., Kujala, J., Hamalainen, M., Timmermann, L., Schnitzler, A., and Salmelin, R. (2001).
Dynamic imaging of coherent sources: Studying neural interactions in the human brain. Proc Natl Acad
Sci U S A 98, 694-699.
- Pollok, B., Gross, J., Dirks, M., Timmeramnn, L., and Schnitzler, A. (2004). The Cerebral
Oscillatory Network of Voluntary Tremor. J Physiol 554, 871-878.
- Timmermann, L., Gross, J., Dirks, M., Volkmann, J., Freund, H.-J., and Schnitzler, A. (2003). The
cerebral oscillatory network of parkinsonian resting tremor. Brain 126, 199-212.
Kognition
Die Kognitionsgruppe bearbeitet verschiedene Forschungsschwerpunkte, darunter die Analyse sozio-
emotionaler Fertigkeiten beim Morbus Parkinson und die Analyse von Sprache, Aufmerksamkeit und
Integration von Wahrnehmung und Handlung bei gesunden Probanden. Die klinischen Syndrome des
pathologischen Lachens und Weinens während der Tiefenhirnstimulation bei Parkinson-Patienten sowie der
Effekt der Tiefenhirnstimulation auf die Wortflüssigkeit wurden bereits untersucht und werden auch in
Zukunft einen Schwerpunkt darstellen.
Die Integration von Wahrnehmung und Handlung wurde in einfachen, wenngleich sehr effizienten Tapping-
Paradigmen mit ein- oder beidhändigen Fingerbewegungen, die auf ein externes Führungssignal hin
synchronisiert werden sollten, untersucht. Diese Paradigmen geben einen Einblick in die
oszillatorischen Kopplungen verschiedener Hirnareale, die an koordinierten Bewegungen beteiligt sind.
Der Aspekt der Handlungsplanung wird in diesem Zusammenhang einen Schwerpunkt für zukünftige Studien
darstellen.
Das menschliche Spiegelneuronen-System ist seit einigen Jahren ein Forschungsthema von großem
Interesse. Dieses System scheint eine Schnittstelle zwischen dem eigenen Handeln und dem Verstehen des
Handelns anderer zu sein. Dieses Thema wird zur Zeit in unserem Labor (Katja Biermann-Ruben, Klaus
Kessler) in Kooperation mit der Universitätsklinik Hamburg bearbeitet sowohl im Hinblick auf
sequentielle zeitliche Aktivierungen im Gehirn als auch im Hinblick auf Synchronisationsprozesse. Das
Spiegelneuronensystem wird zudem mit der Entwicklung von Sprachfunktionen in Zusammenhang gebracht;
letztere wurden von uns in der Vergangenheit ebenfalls untersucht.
Schließlich werden Kapazitätseinschränkungen der menschlichen Aufmerksamkeit anhand des sogenannten
„Attentional-Blink“-Phänomens untersucht. Zukünftig wird dieser Schwerpunkt auf andere Paradigmen der
selektiven Aufmerksamkeit und des Arbeitsgedächtnisses unter Fokussierung der Analyse synchronisierter
oszillatorischer Aktivität ausgedehnt werden.
- Biermann-Ruben, K., Salmelin, R. & Schnitzler, A. (2005). Right rolandic activation during speech
perception in stutterers: a MEG study. NeuroImage, 25 (3): 793-801.
- Gross J, Schmitz F, Schnitzler I, Kessler K, Shapiro K, Hommel B, Schnitzler A (2004). Modulation
of long-range neural synchrony reflects temporal limitations of visual attention in humans. Proc Natl
Acad Sci USA 101:13050-13055
- Pollok, B., Gross, J., Müller, K., Aschersleben, G. & Schnitzler, A. (2005). The cerebral
oscillatory network associated with auditorily paced finger movements. NeuroImage 24: 646-655.
- Wojtecki, L., Timmermann, L., Jörgens, S., Südmeyer, M., Sturm, V., Schnitzler, A. (2004).
Modulation of executive functions by frequency settings in subthalamic deep brain stimulation.
Movement Disorders, Volume 19 (Supplement): 303-304.
Somatosensorik
Schmerz ist eine einzigartige Sensation mit vielfältigen sensorischen, kognitiven und affektiven
Aspekten. Das Verhältnis zwischen diesen verschiedenen Aspekten von Schmerz und zerebraler Funktion
ist bei Gesunden wie Kranken bisher wenig bekannt. Gegenstand dieses Projektes ist daher die
Untersuchung der zerebralen Korrelate der komplexen Wahrnehmung von Schmerz mittels
neurophysiologischer Methoden, insbesondere der Magnetenzephalographie. Über die letzten Jahre konnte
so ein überwiegend parallel organisiertes ausgedehntes Netzwerk schmerzverarbeitender Areale gezeigt
werden [1]. Innerhalb dieses Netzwerkes kommen den einzelnen Hirnarealen unterschiedliche funktionelle
Bedeutungen und unterschiedliche Beteiligungen an dem Phänomen des Auftretens zweier Sensationen
(Erster Schmerz, Zweiter Schmerz) auf einzelne Schmerzreize hin zu [2]. Weiter konnten wir zeigen,
dass Schmerz über die Aktivierung dieses schmerzverarbeitenden Netzwerkes hinaus zu einer globalen
Änderung der Funktion und Erregbarkeit sensorischer und motorischer Systeme führt [3].
In der weiteren Arbeit sollen diese Befunde näher charakterisiert werden. Insbesondere sollen die
physiologischen Grundlagen und behavioralen Korrelate globaler schmerzinduzierter
Erregbarkeitsveränderungen untersucht werden. Weiter möchten wir verstehen, wie die Funktion der
einzelnen an der Schmerzverarbeitung beteiligten Areale in der Generierung eines Perzeptes koordiniert
werden. Diese grundlegenden Erkenntnisse zur Schmerzverarbeitung sollen dann auf Patienten mit
chronischem Schmerz übertragen werden. Neben basalen Einblicken in die Physiologie von
Wahrnehmungsprozessen wollen wir so letztlich zum Verständnis und zur Optimierung von Schmerztherapie
beitragen.
- Ploner M, Schmitz F, Freund HJ, Schnitzler A. Parallel activation of primary and secondary
somatosensory cortices in human pain processing. J Neurophysiol 81, 3100-4, 1999.
- Ploner M, Gross J, Timmermann L, Schnitzler A. Cortical representation of first and second pain
sensation in humans. Proc Natl Acad Sci U S A 99, 12444-8, 2002.
- Ploner M, Pollok B, Schnitzler A. Pain facilitates tactile processing in human somnatsoensory
cortices. J Neurophysiol 92, 1825-9, 2004.
Systemische Neurophysiologie und Magnetenzephalographie
Publikationen
Mitarbeiter
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Katja Biermann-Ruben, Dr. rer nat. (Kognition)
Markus Butz, Dr. rer. nat. (Motorik)
Stefan Groiß, Arzt (Motorik)
Joachim Gross, PD. Dr. rer. nat. (Methodik, Motorik)
Holger Krause, Dipl.-Biol. (Methodik)
Stefan Ostrowski, Dipl.-Phys. (Methodik)
Markus Ploner, Dr. med. (Somatosensorik)
Bettina Pollok, Dr. phil. (Motorik, Kognition )
Christiane Reck,Dipl.-Biol. (Motorik)
Martin Südmeyer, Dr. med. (Motorik)
Lars Timmermann, Dr. med. (Motorik)
Lars Wojtecki, Arzt (Motorik, Kognition)
Doktoranden
Daniel Kamp, cand. Med. (Motorik)
Christian Münks, cand. med. (Motorik)
Houssain Makhloufi, cand. med. (Motorik)
En-Young Nicole Cho, cand. med. (Motorik)
Jens Platzen, cand. med. (Somatosensorik)
Martin Braun, cand. med . (Motorik)
toosa Amir-Manavi, cand.med. (Motorik)
Timo Brosig, cand.med. (Motorik)
Studentische Hilfskraft
Larissa Rollmann, cand. psych.
Kooperationspartner
| Prof. Dr. Kimron Shapiro | | Bangor School of Psychology, Bangor |
| Prof. Dr. Bernhard Hommel | | Leiden Faculteit der Sociale Wetenschappen
| | Prof. Dr. Volker Sturm | | Köln Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie |
| Prof. Dr. Petra Störig | | Düsseldorf Experimentelle Biologische Psychologie |
| Prof. Dr. Riitta Hari und Prof. Riitta Salmelin | | Brain Research Unit, Helsinki |
| PD Dr. Alexander Münchau | | Neurologische Universitätsklinik, Hamburg, Eppendorf |
| Prof. Dr. John Rothwell | | Sobell Department of Motor Science and Movement Disorders, London |
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